Ein VR-Erfahrungsbericht, gespielt via Virtual Desktop auf der Meta Quest 3
Ich hab es ehrlich gesagt nicht kommen sehen. Auf EXD: Extra Dimensional bin ich über TikTok gestoßen, irgendein Streamer hatte ein paar Clips gepostet, und das hat meine Neugier geweckt. Also: runtergeladen, Quest 3 aufgesetzt, über WLAN 6 per Virtual Desktop auf meinen PC gestreamt, im Stehen losgelegt. Und dann stand ich da und dachte: Was zur Hölle passiert hier gerade?
Du bist Max Ventura. Und du hast nur einen Job.

Pakete ausliefern. Für megazon, ja, genau das, was du dir gerade denkst. Das Spiel startet als eine Art VR-Lager-Simulator, und zwar auf einem grafischen Niveau, das ich so nicht erwartet hatte. Ich konnte Aufschriften auf Kisten lesen. Die Lichteffekte beim Paket-Scannen sahen aus wie ein Werbefilm. Alles physikalisch interaktiv, alles anfassbar.

Kleine Details wie ein Post-it an einer Tür, auf dem sich jemand entschuldigt, die ausgeliehene DVD noch nicht zurückgegeben zu haben, oder ein Spind voller Andrew Spaceship Action Hero Poster zeigen: Das Spiel hat Humor. Guten Humor. Den trockenen, beiläufigen Typ.

Dann klingelt das Handy. Vater und Tochter haben ihre Handys vertauscht, weshalb auf dem Display „Dad“ steht, obwohl die Tochter dran ist. Sie fragt ganz beiläufig, ob er ihr noch die Hausaufgaben geben kann. Normaler Alltag. Und dann beschreibt sie plötzlich ein gleißendes Licht, ihre Stimme kippt, sie schreit nach ihrem Vater. In genau diesem Moment bricht auch in der Lagerhalle das Chaos aus. Beide erleben dasselbe Phänomen, zur selben Zeit, nur an verschiedenen Orten. Das ist kein Zufall. Und das ist der Moment, in dem EXD aufhört, ein Lager-Simulator zu sein.

Dann wird es seltsam. Sehr seltsam.
Irgendwo im hinteren Teil des Lagers bricht die Realität zusammen. Buchstäblich. Ein Portal öffnet sich, Dinge fliegen, Energie füllt den Korridor und dann steht man da, mitten in der anderen Dimension Erath, und eine gehirngewaschene Fantasy-Kriegerin begrüßt einen mit: Sie sind der Auserwählte.

Max seine erste Reaktion auf die Kriegerin? Er stellt fest, dass sie sehr gut aussieht. Das sagt er tatsächlich selbst, laut und unverblümt. Erst danach fällt ihm ein, dass er eigentlich nach Hause zu seiner Tochter will. Prioritäten halt.
Hören Sie, ich bin nur ein Lieferbote. Ich will nach Hause zu meiner Tochter. Genau das richtige Maß an Absurdität, nach dem er sie gerade ausgiebig begutachtet hat.

Und ich als Spieler? Bin direkt dreimal hintereinander gestorben. Wie täglich grüßt das Murmeltier. Der Auserwählte war an diesem Abend definitiv jemand anderes.
Die Kriegerin überreicht ein Schwert aus den Minen von Minar und die Speisen der Götter. Man kann das Essen übrigens wirklich essen. Und das Schwert am Rücken befestigen. Physik-Engine sei Dank.
Dann, bevor man auch nur irgendwas tun kann, entführt ein schwarzer Drache die Dame in die Luft. LASS MICH LOS, DU MISTKERL! Und man steht allein da. Schwert am Rücken. Keine Ahnung wohin.


Achievement unlocked: Welcome to a world that definitely wasn’t in the job description.

Die Welt von Erath

Der Kontrast zum megazon-Lager könnte nicht größer sein. Erath ist eine düstere Fantasy-Welt mit uralten Steinmonumenten, schwebenden Kristallen und einer Geschichte, die man buchstäblich von Höhlenwänden abliest. In den Dungeons finden sich Reliefs und Lore-Objekte, die die Vergangenheit dieser Welt erzählen: Robengestalten, die sich um ein leuchtendes Portal versammeln, ein König der Menschen, der zum Kaiser von Erath ausgerufen wurde, Prophezeiungen über den Auserwählten.


Die Atmosphäre in diesen Dungeons ist dicht. Mit nur einer Taschenlampe ausgerüstet merkt man schnell, wie viel Arbeit in den Licht und Schatteneffekten steckt. Echte Dunkelheit, harte Kontraste, glitschige Kreaturen, die in der Finsternis lauern.

Grafisch: Jawohl.
Ich spiele auf einer RTX 5070, i5-12600KF, 32 GB RAM, über Virtual Desktop auf der Quest 3 per WLAN 6, im Stehen. Alles auf hohen Einstellungen, DLSS aktiv. Und es läuft. Flüssig. Ich konnte sogar auf Kisten lesen, was drauf stand, obwohl sie mehrere Meter entfernt standen. Lichteffekte, Texturen, physikalische Interaktionen, alles auf einem Niveau, das man von einem Indie-Titel nicht unbedingt erwartet.
Andere PCVR-Spieler wie Thomas von VoodooDE VR vergleichen EXD direkt mit Half-Life: Alyx, dem bisherigen Maßstab für polished PCVR-Erlebnisse. Nach meiner eigenen Session kann ich verstehen, warum dieser Vergleich gezogen wird.
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Nicht alles ist perfekt. Wer mal neugierig zur Seite schaut, also wirklich mit der Brille nach links guckt, erlebt eine kleine Ernüchterung: kein Oberkörper, kein Körper überhaupt. Nur zwei frei schwebende, erstaunlich gelenkige Arme, die irgendwie im Nichts hängen. Hat ein bisschen was von Matrix, man ist halt eigentlich nicht wirklich da. Solange man geradeaus schaut, funktioniert die Immersion wunderbar. Aber einmal gesehen, kann man es nicht mehr unsehen.
Dazu verbiegen sich diese Arme manchmal auf eine Art, die ein lebender Mensch nur mit sehr viel Yoga hinbekommen würde. Man bleibt an Kanten hängen, die eigentlich kein Hindernis sein sollten. Und die Speicherpunkte können frustrieren: Wer einen längeren Abschnitt mehrfach neu starten muss, weil ein Checkpoint zu weit entfernt ist, kennt das Gefühl.
Virtual Desktop über WLAN 6 funktioniert erstaunlich gut. Wer noch mehr rausholen will, kann mit einem Link-Kabel eine komplett unkomprimierte Verbindung aufbauen.
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Eine ausführliche Übersicht aller Quest-3-Upgrades, die ich getestet habe, findest du hier: Meta Quest 3 Zubehör 2026.
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EXD ist genau die Art von Spiel, das einen davon überzeugt, endlich in VR einzusteigen. Wer noch nicht dabei ist und sich fragt, ob sich der Sprung lohnt: Spätestens jetzt schon. Neben EXD wartet mit Half-Life: Alyx der bisherige Goldstandard für PCVR auf dich, ein Pflichttitel, an dem sich noch jeder Neuzugang in dem Genre messen muss.
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Fazit: Packt ein, ihr Lieferboten
EXD: Extra Dimensional ist einer dieser Titel, bei denen man nach zwanzig Minuten nicht mehr versteht, warum man nicht schon früher davon gehört hat. Das Spiel beginnt als humorvoller Lager-Simulator und endet, zumindest im ersten Kapitel, als Fantasy-Abenteuer mit Drachen, Prophezeiungen und einer zurecht genervten Kriegerin. Irgendwo dazwischen gibt es Physik-Rätsel, Dungeon-Erkundung, einen Schokoriegel den man wirklich essen kann, und Graffiti an einer Wand, die verkündet: The Toaster is faster than yr code.
Absolute Empfehlung für alle, die mal wieder ein VR-Erlebnis wollen, das sich nach echtem, handgemachtem Spiel anfühlt.
EXD: Extra Dimensional ist auf Steam erhältlich.
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Gespielt auf: Meta Quest 3 via Virtual Desktop (WLAN 6), im Stehen. PC: i5-12600KF | 32 GB RAM | RTX 5070.
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Über den Autor: Marcus Jegszent
Marcus ist der Gründer von VRgamingworld und nutzt seit 2019 VR-Hardware im Alltag. Vier Headsets hat er selbst ausgiebig genutzt, von der ersten Oculus Quest über die Oculus Rift S bis zur Meta Quest 3, die er täglich im Einsatz hat.
Seine Schwerpunkte: PCVR-Modding, VR-Fitness und praxisnahe Hardware-Tests. Seine Anleitungen zu Cyberpunk VR und Fallout 4 VR helfen bereits Tausenden Lesern. Er baut seit der 3dfx-Voodoo-Ära eigene Gaming-PCs und kennt jede Stellschraube zwischen Grafikkarte und SteamVR-Performance.
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