Wenn du an Virtual Reality denkst, hast du wahrscheinlich Beat Saber, Half Life Alyx oder Asgard’s Wrath 2 im Kopf. Gaming eben. Genau das ist auch mein Schwerpunkt hier auf vrgamingworld.de. Aber VR kann inzwischen viel mehr, und manchmal taucht die Technik an Orten auf, an denen man sie nicht erwartet hätte.
Vor Kurzem habe ich mit Thomas Diekmann gesprochen, dem Inhaber von Küchen Diekmann in Markkleeberg bei Leipzig. Sein Familienbetrieb existiert seit 1991 und sitzt in einem ungewöhnlichen Showroom: Einem Einfamilienhaus auf dem Eulenberg mit Blick zum Cospudener See. Was mich neugierig gemacht hat, ist nicht die Lage, sondern das, was bei Thomas auf dem Beratungstresen liegt: Eine Pico 4 Ultra Enterprise.
Die nutzt er nicht zum Spielen, sondern um seinen Kunden ihre geplante Küche vor dem Kauf begehbar zu machen. Schubladen öffnen, Arbeitshöhen prüfen, Laufwege testen, das alles in 1:1 Größe, mitten in der virtuellen Küche. Und das Spannende: Diekmann setzt VR sogar bei Küchenmodernisierungen ein, also wenn Kunden nur die Fronten oder die Arbeitsplatte tauschen wollen, ohne die ganze Küche neu zu kaufen. Auch da hilft die Brille, das Ergebnis vorher zu sehen.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie genau das funktioniert, welche Hardware und Software dahinter stecken und warum Pico im Business Bereich oft die bessere Wahl ist als die Meta Quest. Ein Blick über den Tellerrand der Gaming Welt, der überraschend viel über die Zukunft von VR verrät.
Virtual Reality im Einzelhandel: Mehr als nur Spielerei
VR wird im Einzelhandel oft belächelt oder als Marketing Gimmick abgetan. Wer einmal eine Brille aufgesetzt und gesehen hat, wie sich ein Raum, der noch nicht existiert, anfühlen kann, weiß: Das ist kein Gimmick, das ist ein echtes Verkaufswerkzeug.
Im Möbel- und Küchenbereich besonders, denn hier gibt es ein klassisches Problem. Kunden sollen sich für eine fünfstellige Investition entscheiden, basierend auf einer 2D Skizze oder bestenfalls einer 3D Animation am Bildschirm. Wer schon mal eine Küche gekauft hat, kennt das Gefühl: Man unterschreibt und hofft, dass es am Ende passt.
Genau hier setzt Virtual Reality an. Die Kundin oder der Kunde betritt die geplante Küche in Lebensgröße, kann die Arbeitshöhe spüren, durch den Raum laufen und sehen, ob die Hängeschränke nicht doch zu wuchtig wirken. Das ist nicht nur ein Wow Effekt, das verändert die Kaufentscheidung.
Küchen Diekmann: Ein Familienbetrieb mit Blick nach vorn
Martina und Thomas Diekmann führen ihr Studio seit 1991. Was den Betrieb von vielen anderen unterscheidet, ist die Lage. Statt einem klassischen Showroom in einem Gewerbegebiet sitzen sie in einem Einfamilienhaus auf dem Eulenberg in Markkleeberg, mit Blick zum Cospudener See. Auf zwei Etagen werden Küchen so präsentiert, wie sie später beim Kunden stehen könnten, in einer wohnlichen Atmosphäre statt in der typischen Studio Halle.
Neben der klassischen Neuplanung bietet Diekmann eine Spezialität, die viele Studios nicht im Portfolio haben: Küchenmodernisierung statt Komplettkauf. Wenn die Korpusse noch in Ordnung sind, müssen es nicht immer komplett neue Möbel sein. Fronten lassen sich tauschen, Arbeitsplatten erneuern, einzelne Geräte austauschen. Das ist nachhaltiger und für viele Kunden finanziell deutlich attraktiver.
Genau bei dieser Modernisierung wird VR besonders wertvoll. Denn wer eine bestehende Küche optisch verändert, hat das Problem, dass sich die neue Front oder die neue Arbeitsplatte schwer im Kopf vorstellen lässt. Die alte Küche ist ja noch da, das Gehirn überlagert die Bilder. In der VR Brille hingegen sieht man die neue Variante in voller Größe, ohne Ablenkung.
„VR hat unsere Beratung grundlegend verändert. Unsere Kunden müssen sich nicht mehr vorstellen, wie ihre Küche aussehen wird, sie erleben es. Jede Änderung wird sofort sichtbar, und genau das schafft die Sicherheit, die man bei einer Investition dieser Größe braucht.“
— Thomas Diekmann, Küchen Diekmann GmbH
Die Hardware: Warum Pico 4 Ultra Enterprise
Beim Beratungstermin liegt eine Pico 4 Ultra Enterprise auf dem Tisch. Für VR Insider ein interessantes Detail, denn die Pico ist im Consumer Bereich in Deutschland zwar bekannt, im Business Einsatz aber deutlich präsenter als man von außen vermutet.
Warum nicht die Meta Quest 3, die im Gaming Bereich klar dominiert? Dafür gibt es im B2B Kontext mehrere harte Gründe.
Kein Meta Konto erforderlich. Die Pico Business Plattform funktioniert ohne den Zwang eines persönlichen Meta Accounts. Für ein Unternehmen, das die Brille gemeinsam mit Kunden nutzt, ist das ein zentraler Punkt. Datenschutz und DSGVO werden dadurch deutlich einfacher.
Pico Business Suite für die Geräteverwaltung. Wer mehrere Brillen im Einsatz hat, kann sie zentral konfigurieren, Apps verteilen und Updates steuern. Das mag im Küchenstudio mit einer Brille noch unspektakulär klingen, ist aber bei Filialbetrieben ein klares Argument.
Kioskmodus. Die Brille kann so eingerichtet werden, dass sie ausschließlich die Küchenplanungs Software startet. Kein Zugriff auf das normale Betriebssystem, keine versehentlichen Fehlbedienungen. Der Kunde sieht nur das, was er sehen soll.
Hardware Spezifikationen. Die Pico 4 Ultra Enterprise nutzt den Snapdragon XR2 Gen 2, hat 12 GB RAM, ein 4K Display und unterstützt Wi-Fi 7. Damit ist sie technisch auf Augenhöhe mit der Quest 3, in einigen Details sogar darüber. Für die Darstellung detailreicher Küchenmodelle mit Materialien, Fronten und Lichtreflexen ist das wichtig.
In Deutschland wird die Pico 4 Ultra Enterprise über zertifizierte B2B Partner vertrieben, mit Support, Hardware Garantie und individueller Beratung. Auch das macht sie für Mittelständler attraktiver als ein Gerät, das man eher als Spielzeug wahrnimmt.
Wie der Workflow im Küchenstudio funktioniert
Vereinfacht gesagt läuft das Ganze in drei Schritten ab. Hinweis: Die exakten Details zum Workflow im Studio Diekmann werde ich in einem Folgeartikel beziehungsweise hier nachreichen.
Schritt 1: Klassische Küchenplanung. Im Studio wird zunächst ganz normal geplant. Der Kunde gibt seine Maße, Wünsche und Vorstellungen, der Planer erstellt am Computer das 3D Modell mit allen Möbeln, Fronten, Arbeitsplatten, Geräten und Lichtquellen.
Schritt 2: Übergabe an die VR Software. Das fertige Planungsmodell wird in das VR System übertragen. In Diekmanns Fall ist das Trickpark, eine spezialisierte Software aus Eutin, die seit 2018 die Küchenbranche mit VR Visualisierungen versorgt. Trickpark hat sich auf genau diesen Übergang spezialisiert: Aus einer Planung im klassischen Küchen Tool wird ein begehbares VR Erlebnis.
Schritt 3: Die VR Begehung. Der Kunde setzt die Pico Brille auf, nimmt die Controller in die Hand und steht plötzlich in seiner geplanten Küche. Schubladen öffnen, Arbeitshöhen testen, Laufwege ausprobieren, alles direkt im virtuellen Raum. Wenn etwas nicht passt, wird im Planungssystem geändert, neu übertragen und erneut begangen.
Was simpel klingt, hat einen großen Effekt. Die Kaufentscheidung verschiebt sich von „Hoffentlich passt es“ zu „Ich habe es gesehen, es passt“.
Was Küchenstudios und andere Händler von diesem Beispiel lernen können
Der Fall Diekmann zeigt etwas, das weit über die Küchenbranche hinaus relevant ist. Virtual Reality im Einzelhandel funktioniert dann, wenn das Produkt komplex ist und die Kaufentscheidung Unsicherheit auslöst.
Das gilt für Küchen, aber genauso für Bäder, Möbel, Wintergärten, Saunen, Pools, Garagentore, Wohnwagen, Bürolösungen oder Innenausbau im Bereich Architektur. Überall dort, wo der Kunde sich etwas vorstellen muss, das er noch nicht sehen kann, ist VR ein extrem wirksames Werkzeug.
Was es braucht, ist drei Dinge: Eine geeignete Hardware, eine spezialisierte Software, die zur eigenen Branche passt, und einen Mitarbeiter, der das Ganze in den Verkaufsprozess integriert. Die Hardware ist mit der Pico 4 Ultra Enterprise inzwischen bezahlbar geworden. Die Software entwickelt sich rasant weiter. Bleibt der menschliche Faktor, und genau das macht den Unterschied zwischen einem teuren Spielzeug und einem echten Vertriebstool.
Mein persönliches Fazit
Als VR Gamer bin ich es gewohnt, die Brille als Unterhaltungsgerät zu sehen. Der Besuch bei Küchen Diekmann hat mir gezeigt, dass die gleiche Technik in einem komplett anderen Kontext einen ganz anderen, sehr ernsthaften Wert hat. Hier wird VR nicht zum Spaß genutzt, sondern weil es das Geschäft messbar besser macht: weniger Reklamationen, sicherere Kunden, höhere Abschlussquoten.
Wenn du in der Region Leipzig wohnst und ohnehin über eine neue Küche oder eine Modernisierung nachdenkst, ist ein Besuch bei Küchen Diekmann gleich doppelt interessant. Du bekommst eine kompetente Beratung und kannst die VR Erfahrung selbst ausprobieren. Allein das ist schon einen Termin wert.
Und wenn du selbst Händler bist und überlegst, ob VR für dein Geschäft Sinn macht: Schau dir Beispiele wie Diekmann an, sprich mit Anbietern wie Trickpark, frag deinen Hardware Partner nach der Pico 4 Ultra Enterprise. Die Einstiegshürde ist niedriger, als die meisten denken.
VR ist eben längst nicht mehr nur Beat Saber.
Über den Autor: Marcus Jegszent
Marcus ist der Gründer von VRgamingworld und nutzt seit 2019 VR-Hardware im Alltag. Vier Headsets hat er selbst ausgiebig genutzt, von der ersten Oculus Quest über die Oculus Rift S bis zur Meta Quest 3, die er täglich im Einsatz hat.
Seine Schwerpunkte: PCVR-Modding, VR-Fitness und praxisnahe Hardware-Tests. Seine Anleitungen zu Cyberpunk VR und Fallout 4 VR helfen bereits Tausenden Lesern. Er baut seit der 3dfx-Voodoo-Ära eigene Gaming-PCs und kennt jede Stellschraube zwischen Grafikkarte und SteamVR-Performance.
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