Latenz in VR: Warum jede Millisekunde zählt

Latenz ist die Verzögerung zwischen dem Moment, in dem du deinen Kopf bewegst, und dem Moment, in dem das passende Bild vor deinen Augen erscheint. In VR ist sie die vielleicht wichtigste Kennzahl überhaupt, denn dein Gleichgewichtssinn arbeitet ohne Verzögerung und merkt jede Abweichung sofort.

Fachlich heißt der Gesamtwert Motion-to-Photon-Latenz. Als grobe Schwelle gilt seit den Anfängen der modernen VR ein Wert unter 20 Millisekunden für die reine Kopfbewegung. Darüber beginnt das Gehirn, den Widerspruch zwischen Bewegung und Bild zu registrieren, und genau daraus entsteht ein großer Teil der Motion Sickness.

Woraus sich Latenz zusammensetzt

Beim kabellosen PCVR-Streaming addieren sich mehrere Teilstrecken. Der PC braucht Zeit, um das Bild zu rendern. Danach muss es komprimiert werden, das ist das Encoding. Dann geht es durch dein WLAN, was die Netzwerklatenz ausmacht. Im Headset wird das Bild wieder dekodiert und schließlich auf die Displays gebracht.

Virtual Desktop zeigt dir diese Aufteilung in einem Overlay einzeln an, und das ist Gold wert für die Fehlersuche. Ist die Spielzeit hoch, ist deine Grafikkarte überfordert. Ist der Netzwerkanteil hoch, liegt es am WLAN. Ist das Encoding hoch, passt der Codec nicht zur Hardware.

Wichtig: Latenz ist nicht gleich Ping

Ein verbreitetes Missverständnis: Der Ping-Wert deines Internetanschlusses hat mit VR-Streaming nichts zu tun. Der Stream läuft komplett in deinem lokalen Netzwerk, dein Internetanschluss ist daran nicht beteiligt. Eine Gigabit-Leitung macht dein VR-Bild nicht flüssiger.

Was Latenz tatsächlich senkt

Der wirksamste Hebel ist die Netzwerkstrecke. Der PC gehört per Netzwerkkabel an den Router, das Headset funkt idealerweise im 6-GHz-Band mit freier Sicht zum Router. Ein eigener Router nur für VR ist kein Luxus, sondern der Unterschied zwischen „läuft irgendwie“ und „läuft“.

Auf der Softwareseite hilft eine moderate Bitrate. Wer sie zu hoch setzt, gewinnt Schärfe und verliert Stabilität, weil die Datenpakete nicht mehr rechtzeitig ankommen. Und wenn die Grafikkarte an ihre Grenzen stößt, senkst du besser die Renderauflösung, statt darauf zu hoffen, dass Reprojection das Problem kaschiert.

Verwandte Begriffe

Bitrate ist die Stellschraube mit dem direktesten Einfluss auf die Latenz. Refresh Rate und Latenz zusammen bestimmen das Spielgefühl. Reprojection ist der Notfallmechanismus, wenn Bilder zu spät kommen. Air Link und Virtual Desktop sind die beiden Wege, über die diese Kette überhaupt entsteht.

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